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Rückblick: SchulLEBEN


Am 17.04.2013 widmeten wir uns in unserer Vortragsreihe ArchitekturLEBEN . Rhein-Main im Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz dem Thema SchulLEBEN - Die Schule von Heute: Anforderung, Trends und Umsetzung.
Was macht eine Schule zu einer guten Schule? Wie können Räume und Gebäude so organisiert und gestaltet werden, dass sie zeitgemäßes Lernen und Unterrichten bestmöglich unterstützen?
Der Mensch verbringt einen großen Teil seines Lebens in einer Schule. Deshalb sollten Lernorte so gestaltet werden, dass man sich in ihnen wohlfühlt, gerne in ihnen lernt aber auch gerne in ihnen unterrichtet. Schüler und Lehrer haben jedoch ein unterschiedliches ästhetisches Empfinden und stellen unterschiedliche Anforderungen an ihr Umfeld. Somit kann eine gute Bildungsarchitektur nur im Dialog entstehen.
Anhand von drei praxisbezogenen Beispielen zeigten wir Ihnen neue Ansätze und Umsetzungen von moderner Schularchitektur.



Dazu stellte Dipl.-Ing. Innenarchitektin Tanja Dickert und Herr Dipl.-Ing. (FH) Architekt Jens Dobler-Bunde, smp - Architekten, Ingenieure, Sachverständige aus Oestrich-Winkel, den Erweiterungsneubau Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule in Wiesbaden-Biebrich vor.
Die Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule nutze zur Abdeckung des Unterrichts zwei Standorte in Wiesbaden-Biebrich. Um wieder alle Schüler gemeinsam auf dem Grundstück Rudolf-Dyckerhoff-Straße 10 unterrichten zu können, entstand ein Erweiterungsbau als "einfacher" Riegel mit 3 Vollgeschossen.
Der Zugang erfolgt zentral über den bestehenden Pausenhof. Die Raumorganisation folgte dem Konzept der IGS, so dass pro Geschoss eine Klassenstufe mit zugehörigem Lehrerteamraum untergebracht ist. Im Erdgeschoss sind zudem die Haustechnik, die Toilettenanlagen sowie Büros für Schulleitung und Sekretariat untergebracht. In den oberen Geschossen befinden sich auch stufenübergreifende Unterrichtsräume für Arbeitslehre, Musik, bildende Künste und naturwissenschaftliche Fächer.
Die Erschließung erfolgt über das zentrale notwendige Treppenhaus und einen mittleren Flur in die Klassenräume. Entlang der Flurachse wurden die beiden Nutzungsspangen im Grundriss gegeneinander verschoben, so dass der Flur – trotz seiner Länge – gut belichtet wird. Der Baukörper selbst wurde als Passivhaus errichtet.



Im Anschluss präsentierte Architekt & Innenarchitekt Harald Faerber, E. + H. Faerber - Büro für Architektur und Innenarchitektur in Mainz, die Entwicklung und Umsetztung der Eisgrubschule mit Sporthalle in Mainz.
Die Grundschule Eisgrubschule in der Mainzer Altstadt mit seinem historischen und denkmalgeschützten Hauptgebäude soll mit Nebengebäuden unter Berücksichtigung moderen Unterrichtmethoden saniert und modernisiert werden.
Als 1. Bauabschnitt wurde die baufällige und nicht mehr zeitgemäße Sporthalle durch einen Neubau ersetzt. Entstanden ist eine Einfeldsporthalle, eine Mensa für die Grundschule sowie eine Tiefgarage. Das Hauptgeschoss ist barrierefrei vom Hauptgebäude erreichbar. Dadurch entstand der Platz für die Tiefgarage, die dem Parkplatzproblem in der Altstadt entgegen wirkt.
Das horizontale Band aus Fertigbetonelementen nimmt die verschiedenen Richtungen des Grundstücks auf und schafft so ein gestalterisches Ganzes.
Mit großen Interesse wurde auch die logistische Organisation der Baustelle von den Zuhörern verfolgt, im Besonderen der Baustellenkran, der bis kurz vor Fertigstellung im Gebäude selbst plaziert war.



Zum Abschluss zeigte Dipl.-Ing. (FH) Architekt BDB Henry Kreiling, kreiling rosner architekten in Heuchelheim, an Hand des Neubau eines naturwissenschaftlichen Unterrichtsgebäudes mit Mensa auf, wie moderne Schularchitektur auch Einfluss auf Schulakzeptanz haben kann.
Das alte naturwissenschaftliche Gebäude der Real- und Hauptschule war baufällig und wenig ansprechend. Die Schulhöfe war nicht miteinander verbunden und nicht sehr einladend. Die Schule stand durch geringe Schüleranmeldung kurz vor dem Aus.
Die Planung und Umsetztung beschränkt sich hier bei nicht nur auf das Gebäude selbst, sondern nahm sich auch des Schulgeländes der Friedrich-Ebert-Schule an. Der Neubau überdacht gleichzeitig 350 qm Schulhof und bringt dadurch Qualität in den Pausenraum. Die spielerische Anordnung der Stützen des Dachüberstandes sollen im Wesentlichen deren konstruktive Funktion verleugnen.
Der Entwurf besteht im Wesentlichen aus zwei Elementen: Farbiger Sockel und weiße Dachscheibe. Sockeloberkante sowie Unterkante Dachscheibe berühren sich in wechselnder Höhe oder lassen Öffnungen entstehen.
Die Planung und Umsetztung legt vor allen Dingen Wert auf Nachhaltigkeit. So wurden z.B. vielen Bauelemente aus dem alten Gebäude wiederverwertet und das Gebäude dem Passivhausstandard angenähert. Dem Problem des Vandalismus entgegen zu wirken, entschied man sich im Sockelbereich für einzelne Farbflächen, die jederzeit ohne Problem erneuert werden können. Die Versorgung der naturwissenschalflichen Schultechnik wurde wie bei der Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule über die Decke ausgeführt, um die Unterrichtsräume flexibel nutzen zu können.
Herr Kreiling stellte vorallen den Schüler als Nutzer der Gebäude in den Vordergrund. Unter dem Motto "Schule selbst gestalten" stellte er zum Ende seines Vortrag noch kurz den Neubau einer Grundschulmensa in Grünberg vor. In Projektarbeit soll je Halbjahr eine Fassadentafel von den Grundschülern gestaltet werden. Die Kinder eignen sich ihre Schule auf diesem Wege an.
Alle vorgestellten Schulprojekte zeigten auf, dass die "Schule von Heute" nicht nur zweckmäßig, funktional und flexibel, sondern nachhaltig und vor allem ansprechend für Schüler und Lehrer sein muss. Nur wer sich in seiner Umgebung wohlfühlt, kann gerne arbeiten und lernen, und diese respektieren und erhalten wollen.


Im Anschluss wurde bei Brezeln und Wein auf dem "Platz der Architekten" des Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz rege weiter über das Thema "Schule von Heute" diskutiert.

Wir bedanken uns bei allen Besuchern für die vielen netten Gespräche und danken vor allem Frau Dickert, Herrn Dobler-Bunde, Herrn Faerber und Herrn Kreiling für die interessanten und spannenden Vorträge.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen beim nächsten
ArchitekturLEBEN . Rhein-Main.

Fotos: Kristina Schäfer - Mainz


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