Graphisoft Center Rhein-Main

Rückblick: HotelLEBEN


Am 12.06.2013 widmeten wir uns in unserer Vortragsreihe ArchitekturLEBEN . Rhein-Main im Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz dem Thema HotelLEBEN - Wohlfühldesign im Spannungsfeld zwischen Funktion und Flexibilität.
Für den anspruchsvollen Gast von heute reicht das Hotel als einfacher Beherbergungs- und Verpflegungsbetrieb schon lange nicht mehr aus. Zukunftsorientierte Hotels müssen gleichermaßen berühren, verführen und (sich) verkaufen.
Viele Grand Hotels und Hotelbauten glänzen mit einer eindrucksvollen Architektur, einem beeindruckenden und zugleich funktionalen Innenraumdesign, bestechen durch ungewöhnliche Konzepte oder befinden sich an außergewöhnlichen Orten.
Es gilt, moderne Räume zu schaffen, die Arbeit, Erholung und Freizeit miteinander vereinen. Dabei wird ein Ziel nie außer Acht gelassen, nämlich funktionell und flexibel zu bleiben, um sich den Ansprüchen der Gäste und dem Zeitgeist anzupassen, ohne dabei den Wohlfühlaspekt aus dem Auge zu verlieren.
Anhand von praxisbezogenen Beispielen zeigten wir Ihnen unterschiedliche Ansätze und Umsetzungen von Hotelarchitektur.



Dipl.-Ing. Barbara Jurk, freie Innenarchitektin und Geomantin, atelier 8 Innenarchitektur AKH & Gartengestaltung Barbara Jurk, Feng Shui & Geomantie aus Frankfurt/Palma de Mallorca, erklärte anhand der Projektentwicklung studiomuc in München und der Neugestaltung des Eingangsbereiches des Forum Eschborn Frankfurt der Union Investment Bank die Philosphie und Wissenschaft des ganzheitlichen Planes und Bauens nach Feng Shui (Wind und Wassser) und Geomantie (Weissagung Erde).
Das Prinzip des Feng Shui und der Geomantie beschäftigt sich mit der Kunst, Wohfühlplätze zu schaffen, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Wechselwirkung zwischen Mensch und Raum auf emotionaler, spirtueller, mentaler und körperlicher Ebene gelegt wird. Schon ca. 5000 v. Chr. haben taoistische Mönche erforscht, welche Umgebung und Strukturen sich positv auf die Gesundheit, Leistungsfähigkeit und allgemeines Wohlergehen des Menschen auswirken. Kernpunkte bilden hierbei eine gute Rückendeckung, ein weiter Blick nach vorne, Standfestigkeit, Wirkung des gesamten Grundstücks, die Balance zwischen der linken (Yin) und der rechten (Yang) Seite, damit das Qi (Lebensenergie) frei zirkulieren kann und das Erkennen von Störfledern in der Erde, wie Wasseradern, Erdverwerfungen und Traumata aus früheren Geschehnissen sowie deren Harmonisierung, um die Vitalenergie der Grundstücke anzuheben. Das Haus als "3. Haut" ist unmittelbares Lebensumfeld, das als organischer Teil unseres Selbst zu begreifen und in seinem konstruktiven Aufbau mit dem menschlichen Körper vergleichbar ist. Jedes Gebäude hat einen Herzpunkt, der mit Hilfe von Steinen und Wasser den Ruhepunkt als auch die Energiequelle bildet.



Danach entführte uns Dipl.-Des. Innenarchitektin Pia Mogendorf, Innenarchitekten Rudolf & Mogendorf aus Zwiesel/Wiesbaden über den Taunus nach Kenia. Start unserer Reise war das Hotelrestaurant Landgut Falkenstein des Kempinski Hotels Falkenstein in Königstein/Taunus. Das Interieur sollte auf das neue regionale Küchenkonzept abgestimmt werden. Der Wald war hier als Idee und Konzeptgeber schnell gefunden und fand einen angemessenen Ausdruck in den neu gestalteten Speiseräumlichkeiten.
Danach machten wir uns auf den Weg nach Afrika zum Severin Safari Camp in Kenia. Das Camp befindet sich etwa 250 Kilometer von Mombasa und Nairobi entfernt im Tsavo West Nationalpark, dem größten Tierreservat in Ostafrika. Mit Blick auf den Kilimandscharo bietet er eine unvergleichliche Naturkulisse mit weiten Savannen, bewaldeten Flussebenen und den berühmten „roten" Elefanten. Hier gestalteten die Innenarchitekten 21 luxuriöse Zelte, 4 Juniorsuiten und 2 exklusive Suiten und bauen momentan die Wirtschaftsräume und das Restaurant um.
Die achteckigen Zelte sind mit fließend Warm- und Kaltwasser, Dusche, separater Toilette, komfortablen Betten mit Moskitonetz und privater Terrasse ausgestattet. Das Bad, als einziger gemauerter Raum, dient nicht nur zur Erfrischung sondern auch als Schutzraum vor ungebetenem Besuch wilder Tiere aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Im Gegensatz zum Interieur der "Zimmer", die mit Naturmaterialien und Möbeln aus der Umgebung ausgestattet wurden, mussten die Sanitärobjekte aus Deutschland importiert werden. Die unkonventionelle Bauweise der Kenianer stellt ebenfalls ein interessante Herausforderung dieses Projektes dar.



Zum Abschluss führte uns Dipl.-Ing. Architekt BDA Andreas Schling, GHP Architekten Schling Vorsmann Weimann aus Oberursel, zurück nach Frankfurt in das Deluxe Hotel Villa Kennedy in Sachsenhausen.
Die Villa Kennedy besteht aus dem denkmalgeschützten Zentralbau, der ehemaligen Villa Speyer, sowie den im gleichen Stil errichteten Neubauten.
Die Villa wurde im Jahre 1901 von der jüdischen Bankiersfamilie Speyer nach den Entwürfen von Alfred Günther im Stil des Historismus, angelehnt an Gotik und Renaissance, erbaut. 1938 ging die Villa durch die "Arisierung" in den Eigentum der Stadt Frankfurt über. Diese stellte es dem Max-Planck-Institut für Biophysik zur Verfügung.
Anfang der 2000er Jahre kaufte der Frankfurter Projektentwickler FAY das gesamte Anwesen auf. Doch was sollte nun aus dem heruntergewirtschafteten, sanierungsfälligen Gebäude werden? Eine Büronutzung war durch die Lage und Ausgangssituation nicht rentabel, daher entschied man sich nach einer eingehenden Markanalyse für ein Hotelprojekt. Nach einem Architektenwettbewerb und einer Betreibersuche entschied man sich für den progressiven, historisch angelehnten, zweitplatzierten Entwurf des Londerner Architketen Demetri Porphyrios. Nach Abstimmung mit der Denkmalpflege war sogar eine Aufstockung und Umplanung der denkmalgeschützten Villa möglich. Entstanden ist eine Palasthotelanlage, gruppiert um einen großen und ruhigen Innenhof mit 163 Zimmern und Suiten entlang der Innhof-Arkanden, einem großen Ballsaal, einem Restaurant, einer Bar, mehreren Konferenzräumen und einem 600 qm großen Wellness-Bereich mit Schwimmbad. Ein weiteres Highlight ist die Präsidentensuite im Obergeschoss der Villa. Sie wurde mit höchsten Sicherheitsstandards wie Bleikäfig und Panzerglas ausgestattet, so dass auch höherer Staatsgäste oder Prominente im Hotel beherbergt werden können.
Für die Innenraumgestaltung engagierte der englische Hotelbetreiber Rocco Forte-Group Englands neuen Interieurstar Martin Brudnitzki, MBDS, der bei seiner unkonventionellen Planung auch schon mal Exponate vom Flohmarkt oder Dachbodenfundstücke in seine Gestaltung mit einfließen läßt.


Im Anschluss wurde bei Brezeln und Wein auf dem "Platz der Architekten" des Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz rege weiter über das Thema "Hotelplanung" diskutiert.

Wir bedanken uns bei allen Besuchern für die vielen netten Gespräche und danken vor allem Frau Jurk, Frau Mogendorf und Herrn Schling für die interessanten und spannenden Vorträge.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen beim nächsten
ArchitekturLEBEN . Rhein-Main.

Fotos: Kristina Schäfer - Mainz


Zukünftige Themenvorträge & Anmeldung

Neue Termine folgen in Kürze.

Nach oben