Graphisoft Center Rhein-Main

Rückblick: FassadenLEBEN


Am 07.05.2014 widmeten wir uns in unserer Vortragsreihe ArchitekturLEBEN . Rhein-Main im Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz dem Thema FassadenLEBEN - Kleider machen Leute - Fassaden machen Häuser.

Wie die Kleidung für uns Menschen ist die Fassade eines Gebäudes eine künstliche Außenhülle, die den Körper umgibt. Sie bietet Schutz vor Kälte, Wärme und anderen Umwelteinflüssen. Aber vor allem ist sie eine der Hauptgestaltungsformen der Architektur, die damit den jeweiligen Zeitgeist, die Funktion und den künstlerischen Anspruch zum Ausdruck bringt.




Nach der Begrüßung und den einleitenden Worten über die Fassade als ausdruckstarkes Architekturelement von Edda Kurz von der Kammergruppe der Architektenkammer Rheinland-Pfalz stellte Herr Andreas Pilot von ANGELA FRITSCH ARCHITEKTEN BDA aus Seeheim-Jugenheim das Jugendhaus Don Bosco des Bischöflichen Ordinariats Mainz vor.
Im Jahr 2008 gewann das Büro ANGELA FRITSCH ARCHITEKTEN BDA den Wettbewerb für den Ersatzbau des Bischöflichen Jugendamtes Don Bosco. Das Materialkonzept wie auch die spätere Planung von Konstruktion und Energieversorgung orientierte sich im Sinne des Bauherren und des Nutzers an der Pastoralen Richtlinie zur Nachhaltigkeit, deren Leitsatz “die Bewahrung der Schöpfung" ist. Das passenden Baumaterial wurde hier schnell gefunden: HOLZ. Als nachwachsender Rohstoff ist es CO2-neutral und die Verwendung in unbehandelter Form gewährleistet eine vollständige Recyclingfähigkeit.
Die Hauptbelichtung des Gebäudes erfolgt nach dem Prinzip: außen geschlossen - innen offen. Über ein transparentes Pneudach wird der gesamte Innenraum mit Tageslicht durchflutet. In Kombination mit der horizontalen Wandverschalung aus Weißtanne-Profilbrettern und der Holzstäbchendecke aus verdeckt befestigten Weißtanneleisten entsteht eine sehr angenehme und natürliche Innenraumqualität. Die Fassade ist als vertikale Brettverschalung aus revisionierbaren und unbehandelten Lärcheholz-Profilbrettern gefertigt, womit das Prinzip der Opferholzkonstruktion umgesetzt wird: Diese Schicht der Fassade wird nicht per Oberflächenbehandlung künstlich geschützt, sondern wird der Witterung "geopfert". Sie ist so konzipiert, dass sie nach vielen Jahren der Bewitterung ausgetauscht werden kann. In der Fassade sind durchgängig raumhohe Fenster und Verglasungen umgesetzt, die von vertikal durchlaufenden Holzlisenen strukturiert werden. Durch diese vorstehenden Lisenen treten in der Schrägansicht die Fenster erst zurück und verschwinden ab einem bestimmten Winkel dann ganz.
Die Lüftung der Büro- und Besprechungsräume ist dezentral konzipiert und wird mit jeweils einer fassadenintegrierten Lüftereinheiten betrieben. Die bidirektional arbeitenden Lüfter sorgen Sommer wie Winter mit einer niedrigen Luftwechselrate von 0,4 1/h für eine stetige auf das Temperaturniveau der Raumluft angepasste Frischluftzufuhr. Ein Thermospeicher sorgt für den hohen Wirkungsgrad der Wärmerückgewinnung. Diese Lüftungstechnik wurde mit dem Ziel einer minimalistischen und reduzierten Gestaltung in die Holzfassade integriert. Das Detail umfasst an der Innenfassade einen Lüftungsschlitz und eine verdeckt befestigte Revisionsöffnung, die zur Wartung der Lüftereinheiten und Filter dient. An der Außenseite ist pro Lüfter ein Luftansaugkasten mit Kondensatablauf in die Fassade integriert.



Danach stellte uns Herr Stefan Gerckens, Architekt und Architekturfotograf, seine Fotoserie Wandfragmente vor, die uns die "gewöhnlichen" Hauswände in unseren Städten und Dörfern neu entdecken und erleben lässt.
An wie vielen Dingen laufen wir täglich vorbei, ohne diese wahrzunehmen? Würden wir nur manchmal ein wenig genauer hinschauen... Stefan Gerckens hat als Fotograf genauer hingesehen und durch seine gezielte Betrachtungsweise von ausgewählt prägnanten Hausfassadendetails mit ihren Formen, Farben, Stukturen und Materialien kleine Kunstwerke gefunden.



Zum Schluss stellte Herr Stefan Bender von der Metallbaufirma AMS GmbH in Elkenroth The Squaire am Frankfurter Flughafen vor.
Die AMS GmbH wurde bereits für die Fassaden des ICE-Fernbahnhofs am Frankfurter Flughafen beauftragt. 258 riesige Teleskop- und Zylinderstützen auf einer Länge von 660 Metern mussten verkleidet werden. Dazu kam damals die Verkleidung eines ellipsenförmigen Lichteinlasses im Dach.
Über dem Fernbahnbahnhof entstand dann auf 7 Ebenen das größte Bürogebäude Europas, The Squaire. Das Gemeinschaftsprojekt der IVG Immobilien AG und der Fraport AG, entworfen von JSK International Architekten, umfasst auf 146.000 m2 Nutzfläche Büros, zwei Hilton Hotels, ein Business- und Conference Center sowie eine auf den Arbeitsalltag abgestimmte Infrastruktur aus Gastronomie, Geschäften, Ärtzten, Fitness-Angeboten, Kita und Service von Friseur bis Reinigung. Alle Metallfassadenarten wie Lochblech-, Rundstab-, Lamellen- bis hin zur Glasfassade sind in diesem Gebäude geplant und verwirklicht worden. Einer hohen Schallschutzanforderung musste besonders in den Bereichen der Hotels Rechnung getragen werden, da das Gebäude am bedeutendsten europäischen Verkehrsknotenpunkt mit dem Flughafen, dem ICE-Fernbahnhof und dem Frankfurt Kreuz liegt.



Später wurde bei Brezeln und Wein auf dem "Platz der Architekten" des Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz rege weiter über das Thema "Fassade" diskutiert.

Wir bedanken uns bei allen Besuchern für die vielen netten Gespräche und danken vor allem Herr Pilot, Herrn Gerckens und Herrn Bender für die interessanten und spannenden Vorträge.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen beim nächsten
ArchitekturLEBEN . Rhein-Main.

Fotos: Kristina Schäfer - Mainz

Zukünftige Themenvorträge & Anmeldung:

Neue Termine folgen in Kürze.