Graphisoft Center Rhein-Main

Rückblick: DenkmalLEBEN


Historisch aber jung geblieben
Baudenkmäler sind Zeitzeugen vergangener Baukunst und erhaltenswerte Bauwerke für uns und nachfolgende Generationen. Die Sanierung eines Denkmals erfolgt in der Regel mit vielen behördlichen Auflagen und stellt eine besondere  Herausforderung an den Planer dar. Die Gebäude sollen nicht nur archiviert, sondern weiter mit Leben gefüllt werden. Somit muss nicht nur das Historische bewahrt werden, sondern das Gebäude auch mit modernen Neubauten gleichziehen.
Unter dem Motto: Historisch aber jung geblieben, stellten wir Ihnen am 12.11.2014 im Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz in Mainz im Rahmen unsere Vortragsreihe ArchitekturLEBEN . Rhein-Main „moderne“ Baudenkmäler vor.




Nach der Begrüßung und den einleitenden Worten von Edda Kurz von der Kammergruppe der Architektenkammer Rheinland-Pfalz stellte Frau Bärbel Wenzel und Dipl.-Ing. Architekt Harald Männle vom architekturbüro männle aus Darmstadt die Heydenmühle im Odenwald vor.
Die Heydenmühle am Fusse des Otzbergs sollte Platz für 80 Bewohner einer sozialtherapeutischen Lebensgemeinschaft bieten. Vielfältige Nutzungen wurden geplant: Werkstätten, Therapiebereich, Gartenbau und Künstlerateliers mit einer Kulturscheune.
Bei der räumlichen Umsetzung dieses interdisziplinären Projekts bildete der Erhalt der baulichen Gegebenheiten die Grundlage des Baukonzepts. Die denkmalgeschützten Gebäude wurden grundlegend umgebaut. Die Häuserzeile der Neubauten bildet entlang der Hangkante eine städtebauliche Ergänzung.



Im Anschluss berichtete Architekt Hans Bezzenberger von der Bezzenberger gewerbliche Architekten GmbH aus Bad Homburg über die Sanierung und den Umbau des historischen Brauereispeichers Bad Homburg.
Der nie in Betrieb genommene Getreidespeicher der "Actien Brauerei Homburg v.d.H. vorm Messerschmidt" aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurde zunächste im 2. Weltkrieg im EG als Autowerkstatt genutzt. Anfang des 21. Jahrhundert sollte dem denkmalgeschützten Turm neues Leben eingehaucht werden. Um die Räumlichkeiten in seinem Ursprung zu erhalten, wurden sie loftartig ausgebaut. Die stark angegriffene Bausubstanz wurde saniert. Der zweigeschossige Anbau sowie die neuen Balkonanlagen setzen sich bewusst von der historischen Bausubstanz ab. Das Erdgeschoss wird nun als Büro genutzt, im 1. und 2. Obergeschoss befindet sich jeweils eine Wohnung, das 3. Ober- und Dachgeschoss beinhalten eine Maisonettewohnung.
Dananch führte er uns nach Frankfurt zu einem Ladenumbau eines Kulturdenkmals aus den 50er Jahren. Der zweigeschössige Rundbau mit seinem Flachdach steht in der Fußgängerzone der Großen Bockenheimer Straße in der Frankfurter Innenstadt.
Hauptsächlich wurde beider Sanierung vorhandene Materialien und Bauelemente wieder verwendet und aufgearbeitet. So sind die Schaufensterscheiben und die verglasten Eingangstüren erhalten worden, obwohl es sich hierbei um eine in den 50er Jahre übliche Einfachverglasung mit zeittypischen goldeloxierten Rahmungen handelt. Um den entstehenden Wärmeverlust entgegenzuwirken, wurde dafür das Dach und der Kellerboden neu gedämmt. Zur Kondensatabführung wurde hinter der Fassade kleine Rinnen eingebaut. Mit dieser Sanierung ist der Originalzustand wieder hergestellt worden und bietet trotzdem einem modernen Modehaus von Heute einen geeignete Platz. 2013 erhielt das Objekt den "Hessischen Denkmalschutzpreis."



Nich weniger interessant und spannend war dann das Denkmalprojekt von Dipl.-Ing. Architekt Markus Mehrfeld von markusmehrfeld architekten aus Mainz. Er führte mit der Wiederherstellung und Modernisierung eines Richard Neutra Flachdachbungalows in Möhrfelden-Walldorf in die kalifornische Architektur des 20. Jahrhunderts. In den 60er Jahre entstand dort eine ganze Siedlung des Architekten Richard J. Neutra, einer wichtigsten Architekten des letzten Jahrhunderts. Der in Wien geborene Architekt arbeitete in den USA unter anderem mit Frank Lloyd Wright und Rudolf Schindler zusammen. Die von Neutra entwickelten Ideen einer naturnahen, von tradierten Vorstellungen befreiten Architektur haben vielen europäischen Architekten der Nachkriegszeit inspiriert.
Die Siedlung steht seit 1984 als Ensemble unter Denkmalschutz, weiterhin sind zehn ihrer Häuser einzeln geschützt. Die Häuser sind in der Regel zwischen 100 und 160 qm groß. Das uns vorgestellte Einzeldenkmal gehört zu den kleineren und wurde nach einem Brand in Abstimmung mit der Denkmalbehörde saniert. Die Sanierung und Wiederherstellung von Elementen, Oberflächen und Details erfolgte nach sorgfältiger Recherche bis ins Kleinste. Im Sinne und Geiste von Neutra fügte sich auch die neue Gestaltung des Gartens und die Schaffung eines Reflecting Pools wie selbstverständlich ein.



Später wurde bei Brezeln und Wein auf dem "Platz der Architekten" des Zentrums Baukultur Rheinland-Pfalz weiter über "modernisierte Baudenkmäler" diskutiert.

Wir bedanken uns bei allen Besuchern für die vielen netten Gespräche und danken vor allem Frau Wenzel gemeinsam mit Herrn Männle, Herrn Bezzenberger und Herrn Mehrfeld für die interessanten und spannenden Vorträge.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen beim nächsten ArchitekturLEBEN . Rhein-Main.

Fotos: Kristina Schäfer - Mainz

 

Zukünftige Themenvorträge & Anmeldung:

Neue Termine folgen in Kürze.