Graphisoft Center Rhein-Main

Neugebauer Architekten BDA - Umbau Himmelsbachsiedlung

Umbau Himmelsbachsiedlung Bingen
Umbau Himmelsbachsiedlung Bingen

Die denkmalgeschützte Himmelsbachsiedlung in Bingen-Kempten wurde von Josef Himmlesbach, Chef des Imprägnier- und Kyanisierwerks, in den 1920ger Jahren, bei dem Karlsruher Professor Casar, als Arbeitersiedlung in Auftrag gegeben. 1921 wurde der Rundbau mit 10 Häusern, üppigen Garten und Gemeinschaftshof fertig gestellt und von den Mietern erstmals bezogen.
Im Volksmund Richtberg-Siedlung oder auch nur Rundbau genannt, gammelte viele Jahre vor sich hin. Anfang 2015 wurde dieses, in der Region einzigartiges Schmuckstück, aus dem „Dornröschenschlaf“ geweckt und komplett nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert.  
Die Axialsymmetrisch angelegte Siedlung wurde bei der Sanierung in Ihrer historischen Gestalt nicht verändert. Die Häuser wurden in Ihrer räumlichen Disposition und Organisation exakt beibehalten, aber technisch so aufgerüstet und auch erstmals mit einer Heizung und einem Bad ausgestattet, so dass die Häuser heutigen Wohnvorstellungen gerecht werden.
Besonderes Augenmerk wurde bei der Modernisierung auf authentische Materialien und Ausstattungsgegenstände gelegt um den Auftakt für hoffentlich weitere 100 Jahre zu setzen. Beispielsweise wurde alle historischen Dielen und Terrazzoböden aufgearbeitet, alte Türen und Türgriffe aufwendig saniert, ein keramisches Schalterprogram eingesetzt und Fliesen in den Bädern verwendet, die bauzeitliche Entsprechung darstellen. Diese Anspruchshaltung zieht sich innen wie außen in letzter Konsequenz wie ein goldener Faden durch.
Auch bei den Außenanlagen wurde größter Wert auf die historische Anmutung gelegt. Der Jägerzaun wurde durch einen Zaun nach historischem Vorbild ersetzt und die Gärten und der Innenhof komplett aufgeräumt und entrümpelt. Ziel war es in den Gärten Privatheit zu fördern und durch gezielte Bepflanzung von Obstbäumen an die ehemaligen Nutzgärten zu erinnern. Der aufwendig gestaltete Innenhof soll maximale Gemeinschaft fördern. Hier laden zu Verfügung gestellte Garnituren und zentrale Bepflanzung zum Spielen und nachbarschaftlicher Kommunikation ein und geht es kunterbunt zu.
Das Konzept ist voll aufgegangen. Seit Ende 2016 sind alle Häuser von Familien mit kleinen Kindern bewohnt und beweist sich, dass derlei Wohnformen mit großer Begeisterung aufgenommen werden. Die Kinder und Familien fühlen sich im wahrsten Sinne wie im Himmel.
Ergänzt wurde der Rundbau noch im Zuge der Arbeiten durch einen Neubau mit weiteren 6 Wohnungen, der sich architektonisch an den Grundmustern der historischen Bebauung orientiert und hierzu als moderne Entsprechung versteht und das Ensemble auch städtebaulich abrundet.