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KOZA & ZIMMERMANN - Behinderten Werkstatt

Behinderten Werkstatt Koblenz

Behinderten Werkstatt Koblenz

Bauherr: Rhein-Mosel-Werkstatt für behinderte Menschen gemeinnützige GmbH in Koblenz
Bauzeit: 2012 – 2014
BGF: ca. 5.400 m², ca. 24.700 m³

Bei dem Objekt handelt es sich um eine bestehende Werkstatt für Menschen mit Behinderung, in der seit mehr als 40 Jahren geistig-und körperbehinderten, sowie psychisch erkrankten Mitmenschen einen Arbeitsplatz und damit eine sinnvolle und geeignete Tätigkeit erhalten.

Die vorgefundene Bebauung erfüllte nicht mehr den erforderlichen Stand der Technik und konnte die an sie gestellten Anforderungen nicht mehr erfüllen. Die bauliche Struktur verfolgte kein Konzept und eine Raumzuordnung war nur schwierig herzustellen.
Nach ersten Planungsphasen, die sich mit einer Umstrukturierung inkl. neuem Brandschutzkonzept befassten und die Fassade sowie das Dach weitestgehend außer Betracht ließen, wurde sich aufgrund von sicherheitsrelevanten, technischen und energetischen Überlegungen sowie zur Verbesserung der Qualität am Arbeitsplatz zusätzlich für eine Kernsanierung entschieden.
Alle Abbruch-und Neubaumaßnahmen wurden während des laufenden Werkstattbetriebes komplex in 4 Bauabschnitten durchgeführt.
Die Bauabschnitte wurden so aufgeteilt, dass während den Bauarbeiten so wenig Gruppen wie möglich ausgelagert werden mussten, und die übrigen Bereiche innerhalb des Gebäudes ausweichen konnten.

Kernsanierung:
Bei der Kernsanierung wurde das intakte Stahlbeton-/ Traggerüst des Bauwerkes erhalten. Die Gebäudehülle wurde unter Einhaltung der EnEV komplett erneuert bzw. ertüchtigt. Die Außenfassade wurde durchgängig ausgetauscht. Als Außenwände im Werkstattbereich wurden wärmegedämmte Stahlbetonfertigteile und wärmegedämmte Hoesch Sandwichelemente miteinander kombiniert. Die Fassade des mehrgeschossigen Verwaltungsbereiches wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem an die Anforderungen der EnEV angepasst. Der neu errichtete Aufzugsturm wurde mit einer wärmegedämmten, witterungsbeständigen Fassadenplatte verkleidet.
Fenster und Türen der Außenfassade wurden gem. EnEV erneuert. Als zusätzliche Maßnahme des sommerlichen Wärmeschutzes hat ein Großteil der Fensteranlagen, Sonnenschutzelemente (z.B. Raffstore), als Beschattung erhalten.
Die gesamte Dachfläche wurde durch zusätzliche Dämmung an die Anforderungen der EnEV angepasst. Dachabdichtung sowie die Sheddachverglasung wurden komplett erneuert. Dachaufbauten, z.B: Lichtkuppeln, Entlüfter, Regenwassereinläufe usw. wurden ebenfalls erneuert bzw. durch neue Aufsatzelemente angepasst.
Als zusätzliche Maßnahme für die Dachentwässerung wurden am gesamten Gebäude Notüberläufe an den Fassaden angebracht. Ferner wurde eine Blitzschutzanlage realisiert!
Die haustechnischen Anlagen wurden komplett erneuert. Diese entsprechen nun den aktuellen Anforderungen und sind auch für zukünftige Erweiterungen nutzbar.
Es wurde eine neue Heizungsanlage eingebaut. Wasser-und Heizungsleitungen wurden neu verlegt. Die Elektro-/EDV-Installation wurden ebenfalls komplett erneuert.
Das alte Späne-Silo mit der nicht mehr zeitgemäßen Absaugung der Schreinerei wurde abgerissen und durch eine moderne Absauganlage ersetzt.

Umstrukturierung:
Im Zuge der Umstrukturierung wurde die bauliche Struktur derart verändert, dass die tragende Grundkonstruktion des Gebäudes erhalten blieb, aber die neue Grundrissgestaltung konzeptionell eine eindeutige Bereichs-/ Raumzuordnungen erkennen lässt.
Sanitär-, Umkleide-, und Installationsräume wurden im Gebäudeinneren angeordnet. Gruppen-/ Montage-, Büro-und sonstige Aufenthaltsräume wurden entlang der Außenwände positioniert und haben alle eine direkte Sichtverbindung nach außen. Aus vielen Räumen, insbesondere aus den Gruppen-/ Montageräumen besteht zudem noch eine direkte Ausgangsmöglichkeit ins Freie.
Durch entsprechende Flure sind auch allen Gruppen-/ Montageräume mit dem Lager verbunden und bieten einen direkten Zugang zu den Sanitär-und Umkleidebereichen.
Durch die Grundrissoptimierung wurde ein Großteil der innenliegenden Wände erneuert. Die neuen Wände wurden aus Mauerwerk, Gipskarton-Ständerwänden oder auch aus vorgefertigten Systemtrennwänden hergestellt.
Bestehende Wände wurden durch entsprechende Maßnahmen (Innenputz, Farbanstrich, Fliesenbelag) ertüchtigt.
Zwangsläufig mussten hierdurch auch die Bodenbeläge inkl. Estrich und die Deckenverkleidungen erneuert werden.
Alle Innentüren wurden bedarfsorientiert vergrößert und den neuen Anforderungen angepasst. Als Verbindungstüren zwischen den Gruppen-/ Montageräumen wurden extrabreite Schiebetüren eingebaut. Der Zugang zu den Erschließungsfluren ist aus allen Gruppen-/ Montageräumen durch 2-flügelige Türen gewährleistet.
Die haustechnischen Anlagen wurden parallel zur Kernsanierung komplett erneuert und an die neue Grundrissstruktur der Umstrukturierung angepasst.
Auf dem Hauptdach wurden 2 leistungsstarke Lüftungsanlagen installiert, die alle innenliegenden Räume mit Zu-/Abluft versorgen. Besonders der Bereich der Wäscherei, der im Zuge der Umstrukturierung innerhalb des Gebäudes verlegt und optimiert wurde, profitiert nun von dieser guten Belüftung.

Brandschutz:
Im Zuge der Umbaumaßnahmen wurde für das Gebäude ein Brandschutzkonzept erstellt. Das Gebäude wurde in 5 Brandabschnitte aufgeteilt! Die Brandwände wurden entweder neu hergestellt oder nachträglich soweit ertüchtigt, dass sie der
entsprechenden Klassifizierung (F90) entsprechen. Oberhalb von Brandwänden wurde nur nichtbrennbare Dämmung eingebaut.
Türöffnungen in diesen Wänden wurden mit feuerhemmenden, rauchdichten Türen (T30RS) geschlossen. Alle Installationsdurchführungen in den Brandwänden wurden feuerhemmend (K30, R30, S30, I) ausgebildet.
Die Dachkonstruktion wurde aus brandschutztechnischen Gründen in vielen Bereichen von unten feuerhemmend (F30) ausgebildet. Aufgrund der unterschiedlichen Gebäudestruktur, (Mehrgeschossigkeit im Verwaltungsbereich gegenüber dem eingeschossigen Werkstattbereich) und der Neustrukturierung der Rettungs-/ Fluchtwege, wurden diese Bereiche auch unterschiedlich ausgebildet.
Zusätzlich zur F30-Verkleidung der Decken wurden die unter der Decke laufenden Versorgungstrassen feuerhemmend (F30) eingehaust und teilweise mit einer Rauchmelderüberwachung versehen. Dementsprechend wurden insbesondere große Deckenflächen der Hauptflure ausgeführt. Zusätzlich wurde in diesen Bereichen auch eine neu dimensionierte Kabelrasse aus Stahlträgern eingebaut.
Diese wurde von der Dachkonstruktion entkoppelt an der Stahlbetonträgerkonstruktion befestigt und komplett F30 abgeschottet.
Aus brandschutztechnischen Gründen wurden auch einige Lichtkuppeln auf dem Flachdach des Werkstattbereiches versetzt. Zusätzlich wurden Lichtkuppel in Rauch-und Wärmeabführungen (RWA) ertüchtigt bzw. ergänzt und mit der Brandmeldeanlage gekoppelt. Die vorhandene Brandmeldeanlage wurde dementsprechend erweitert und neu positioniert. Im Zuge der brandschutztechnischen Neustrukturierung der Rettungs-/ Fluchtwege wurde im Erdgeschoss eine direkte Entfluchtungsmöglichkeit aus fast allen Fluren und Gruppen-/Montageräumen geschaffen. Die Schlösser der nach außen führenden Türen wurden alle mit „Panikfunktion“ versehen. Als 2. Rettungsweg für die Verwaltungsebene im 2. Obergeschoss wurde eine außenliegende Rettungsplattform zwischen Aufzugsturm und Verwaltungsgebäude errichtet.