Graphisoft Center Rhein-Main

fs-architekten - darmstadtium in Darmstadt

darmstadtium - Wissenschafts- & Kongresszentrum Darmstadt

darmstadtium - Wissenschafts- & Kongresszentrum Darmstadt

Aussenfotos - darmstadtium/juergenmai.com - Innenfotos: Daniel Seiwald

Bauherr: Wissenschafts- & Kongresszentrum Darmstadt GmbH & co. KG
Bauzeit:  2004 - 2007
BGF:        ca.   44.700 m²
BRI:        ca. 170.000 m³
Kosten:   ca. 77.000.000 €

Quadratisch, praktisch, gut – diese Beschreibung trifft auf das neue Wissenschafts- und Kongresszentrum in Darmstadt nicht zu! Im Gegenteil! Der Gebäudekomplex wirkt wie eine expressive, kantige Skulptur und besticht durch seine dynamische Formgebung. Das nach einem 1994 hier entwickelten künstlichen chemischen Element »Darmstadtium« benannte Gebäude hat das Stadtbild nachhaltig verändert und setzt in prominenter Lage, direkt gegenüber dem historischen Stadtschloss, einen interessanten städtebaulichen Akzent.
»Kein Vorne, kein Hinten«, als zentraler innerstädtischer Ort fügt sich das Gebäude harmonisch in seine Umgebung ein.

Trotz der notwendigen Anlieferungs- und Ladeflächen, Erschließungszufahrten und Lager hat das Kongresszentrum scheinbar keine Rückseite; es ist gläsern und offen nach allen Seiten hin. Die ansteigende Topographie des Grundstückes wird genutzt, um die weniger ansehnlichen, funktionalen Einrichtungen unter die Erde zu »verbannen«.

Das 44.500 qm Geschossfläche umfassende Bauwerk setzt sich aus vier ineinander verschachtelten Gebäudeteilen zusammen. Der Solitär aus Glas, Metall und Stein beherbergt einen großen Veranstaltungssaal mit rund 1.600 Plätzen und einen kleinen Saal mit Platz für circa 500 Personen. Hinzu kommen 18 Konferenz- und Seminarräume, eine große Foyerfläche, eine Tiefgarage und ein Restaurant. Kurzum: ein multifunktionales, modernes Veranstaltungszentrum mit komplexem Raumprogramm und höchsten Anforderungen an moderne Umwelt-, Energie- und Veranstaltungstechnik.

Verantwortlich für den Entwurf des Gebäudes zeichnet der Wiener Architekt Talik Chalabi. Als er beim Architektenwettbewerb in die engere Auswahl gekommen war, musste er sich um die Zusammenarbeit mit einem Darmstädter Büro bemühen, um in der Folge – sollte er den Zuschlag erhalten, die Ausführung seines Entwurfs sicher zu stellen. Mit dem Gewinn des Wettbewerbes gründete Chalabi 2001 gemeinsam mit Paul Schröder eine Arbeitsgemeinschaft.

Die anspruchsvolle Geometrie dieses Ausnahmebauwerkes - gerade Flächen oder rechte Winkel sucht man hier vergeblich – machten das Projekt zu einer ganz besonderen Herausforderung! Galt es doch ein Gebäude zu realisieren, für das es kein Vorbild gab. Vieles musste im Laufe des Prozesses umgeplant und vollkommen neu gedacht werden, sei es aus Kostengründen, aus Gründen der Statik oder des Brandschutzes. Auch Überraschungen gab es auf der seiner Zeit größten öffentlichen Baustelle Hessens. So stieß man beispielsweise bei den Ausschachtungsarbeiten auf die Reste einer historischen Stadtmauer und eines Wehrturmes, die freigelegt und in das Gebäude integriert wurden.

Das gestalterische Zentrum des Darmstadtiums bildet die von Chalabi so genannte »Calla«, »das architektonische Äquivalent einer Blume aus Glas und Stahl«. Dieser einzigartige Baukörper, der sich vom Dach des Gebäudes verjüngend und dabei zur Vertikale krümmend fast 20 Meter bis in das zweite Tiefgeschoss »hinabstürzt« ist nicht nur die optische Attraktion, ja gewissermaßen das architektonische Alleinstellungsmerkmal des Gebäudes, er erfüllt zugleich vier Funktionen. Die »Calla« bildet einerseits das Glasdach des zentralen Foyers und nimmt dem geöffneten Kelch einer Blume vergleichbar Regenwasser auf, das sie nach unten leitet, wo es auf gefangen und für die Toilettenspülung, die Luftkühlung und die Bewässerung der Außenanlagen genutzt wird. Über die Calla wird darüber hinaus Luft zur Klimatisierung der Räume in das Gebäude gesaugt und last but not least bringt sie Tageslicht in die zweite Tiefgaragenebene.

Eine bestechende Idee, diese Synthese aus Funktionalität und Ästhetik, ein großartiger Entwurf, dessen Realisierung selbst redend höchste Anforderungen an Ausführungsplanung und Ausführung stellte. Die Calla, ein Bauelement, was in dieser Form und Größenordnung noch nie realisiert wurde, besteht aus einem Metallgerüst mit 840 Glasscheiben, keine wie die andere.