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ANGELA FRITSCH ARCHITEKTEN - Jugendhaus Don Bosco

Jugendhaus Don Bosco - Foto: Taufik Kenan, Photographer - Berlin

Jugendhaus Don Bosco - Foto: Taufik Kenan, Photographer - Berlin

Fotos 1 & 2 - Taufik Kenan, Photographer - Berlin / Fotos 3 & 4 - Dieter Leistner

Bauherr: Bischöfliches Ordinariat - Mainz
Nutzung: Tagungs- & Bürogebäude
Bauzeit: 2008-2011
BGF: 2.200 m²
HNF: 370 m²
BRI: 7.100 cbm
Kosten: 4.000.000 €

Fachplaner:
TSB Ingenieurgesellschaft mbH, Darmstadt (Tragwerk, Brandschutz, Energetisches Konzept, Schallschutz) & ZWP Ingenieur AG, Wiesbaden (Haustechnik, Heizung Lüftung, Sanitär)

Architektur:
Der Neubau des Verwaltungs- und Tagungshauses Don Bosco mit ca. 2.200m² BGF auf dem Gelände des Katholischen Jugendwerkes bildet die neue zentrale Stelle der Katholischen Jugendarbeit des Bistums Mainz. Er ersetzt ein 1955 errichtetes Lehrlingswohnheim, das zuletzt als bischöfliches Jugendamt genutzt wurde. Städtebaulicher Ausgangspunkt des Entwurfs ist eine bestehende Kapelle, die das als geistiges Zentrum der Gesamtanlage bildet. Der Neubau ergänzt das Sophie-Scholl-Bettenhaus und die Kapelle zu einem Ensemble und schließt innenräumlich an die Kapelle an.
Im Wettbewerb um den Ersatzneubau des Bischöflichen Jugendamtes Don Bosco im Jahr 2008 hatte das Büro Angela Fritsch Architekten BDA neben den Abgabeplänen ein minimalistisches Volumenmodell aus dezent gemasertem, unbehandeltem hellem Holz eingereicht. So reduziert dieses Modell im ersten Moment gewirkt haben mag, so prägnant stand es auch für den zentralen
Entwurfsgedanken der Architekten: Die Erscheinung des Gebäudes sollte im Innen- und Außenbereich durch die Verwendung von unbehandelten Hölzern geprägt sein. Als nachwachsender Rohstoff ist es CO2-neutral und die Verwendung in unbehandelter Form gewährleistet eine vollständige Recyclingfähigkeit.
Im Inneren erzeugt die horizontale Wandverschalung aus Weißtanne-Profilbrettern gemeinsam mit einer Holzstäbchendecke aus verdeckt befestigten Weißtanneleisten eine sehr angenehme und natürliche Innenraumqualität. Die Fassade ist als vertikale Brettverschalung aus revisionierbaren und unbehandelten Lärcheholz-Profilbrettern gefertigt, womit das Prinzip der Opferholzkonstruktion umgesetzt wird: Diese Schicht der Fassade wird nicht per Oberflächenbehandlung künstlich geschützt, sondern wird der Witterung "geopfert". Sie ist so konzipiert, dass sie nach vielen Jahren der Bewitterung ausgetauscht werden kann. In der Fassade sind durchgängig raumhohe Fenster und Verglasungen umgesetzt, die von vertikal durchlaufenden Holzlisenen strukturiert werden. Durch diese vorstehenden Lisenen treten in der Schrägansicht die Fenster erst zurück und verschwinden ab einem bestimmten Winkel dann ganz. So erscheint der ursprünglich im Wettbewerb eingereichte abstrakte und reduzierte Holzkörper in 1:1.
Die Materialkonzeption wie auch die Planung von Konstruktion und Energieversorgung orientieren sich im Sinne des Bauherren und des Nutzers an der Pastoralen Richtlinie zur Nachhaltigkeit, deren Leitsatz „die Bewahrung der Schöpfung“ ist.
Das Bischöfliche Jugendamt des Bistums Mainz ist der Ort der konstruktiven Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Gestaltung der Jugendarbeit, die in vielen Einzelverbänden und Gruppen organisiert sind. In diesem Sinne sind in beiden Obergeschossen umlaufend Einzel- und Doppelbüros für konzentrierte Arbeit angeordnet. Dazwischen liegt das zweigeschossige lichtdurchflutete Atrium, das mit Teeküchen, Stehtischen und Sofas Raum für Kommunikation und Austausch bietet. Der Luftraum ist vollständig von einem transparenten Pneudach überspannt und von Tageslicht durchflutet. Die umliegenden Büroräume profitieren zusätzlich von diesem Tageslichteintrag, denn sie sind zum Atrium hin raumhoch verglast.
Das Erdgeschoss ist durch den regen Tagungsbetrieb der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen geprägt. Der große Speise und Veranstaltungssaal ist räumlich durch das Erdgeschoss hindurch gesteckt. Beide Fensterfronten können vollständig geöffnet werden, so dass der Raum je nach Anlass zum öffentlichen Außenraum im Westen und zum ruhigeren Gartenbereich mit Terrasse geöffnet und erweitert werden kann. Vier weitere Besprechungsräume sind zum rückwärtigen Garten orientiert und bieten Ruhe für Seminare, Schulungen und Tagungen.

Haustechnik:
Das technische Konzept ist auf geringen Ressourcenverbrauch und die Nutzung regenerativer Energien ausgerichtet: Die Wärmeerzeugung erfolgt über einen Holzpelletkessel, der neben dem Neubau weitere Bestandsgebäude versorgt. Die Raumheizung erfolgt überwiegend über Fußbodenheizung. Das anfallende Regenwasser wird durch eine Regenwassernutzungsanlage für die Grünanlagen genutzt. Die Lüftung der Büro- und Besprechungsräume ist dezentral konzipiert und wird mit jeweils einer fassadenintegrierten Lüftereinheiten betrieben. Die bidirektional arbeitenden Lüfter sorgen Sommer wie Winter mit einer niedrigen Luftwechselrate von 0,4 1/h für eine stetige auf das Temperaturniveau der Raumluft angepasste Frischluftzufuhr. Ein Thermospeicher sorgt für den hohen Wirkungsgrad der Wärmerückgewinnung. Diese Lüftungstechnik wurde mit dem Ziel einer minimalistischen und reduzierten Gestaltung in die Holzfassade integriert. Das Detail umfasst an der Innenfassade einen Lüftungsschlitz und eine verdeckt befestigte Revisionsöffnung, die zur Wartung der Lüftereinheiten und Filter dient. An der Außenseite ist pro Lüfter ein Luftansaugkasten mit Kondensatablauf in die Fassade integriert.

Konstruktion:
Das Gebäude besteht im Untergeschoss und im Erdgeschoss aus einer Massivkonstruktion mit einer weit gespannten Hohlkörperdecke. So sind im EG Spannweiten von 10 m realisiert, welche es ermöglichten den Speisesaal und den großen Besprechungsraum stützenfrei zu gestalten. Im Bereich des zurück gesetzten Eingangsbereichs unterhalb der Auskragung des Obergeschosses wurde ein filigranes Fassadentragwerk ausgeführt. Die Obergeschosse auf dem massiven Sockelgeschoß sind in Holzbauweise errichtet. Es handelt sich dabei um eine Holzständerkonstruktion im Bereich der Außenwände und eine kombinierte Stahl-Holz-Skelettkonstruktion im Gebäudeinneren. Durch die reduzierte Auflösung des Tragwerks im Gebäudeinneren lassen sich die Räume auch für zukünftige Nutzergenerationen verändern und auf deren Bedürfnisse anpassen. Das lichtdurchflutete Atrium wird von einem zweilagigen Pneudachkissen überspannt, das auf einer Stahlkonstruktion lagert. In die Holzkonstruktion der Obergeschosse wurden eine Teilsprinklerung und insgesamt vier Brandschutzschiebetore integriert, um den zweigeschossigen Luftraum der Kommunikationszone und die Weitläufigkeit der Obergeschosse zu realisieren.