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A°ID Architektur - Neues Gymnasium im alten Opelwerk

Altes Opelwerk: F-Bau - Neues Gymnasium Rüsselsheim

Altes Opelwerk: F-Bau - Neues Gymnasium Rüsselsheim

Bauherr: Alexander Hoebig - Andorra
Bauzeit:  2008-2010
NF Schulgebäude:    ca.  6.580 m²
NF Sporthalle:          ca.  1.250 m²
BRI Schulgebäude:  ca. 26.200 m³
BRI Sporthalle:        ca.   8.200 m³
Kosten:   10.000.000 €

Bei dem hier vorgestellten Gebäudeensemble handelt es sich um einen Teil des denkmalgeschützten „F-Baus“ mit ca. 6.500 m², eines aus den Jahren 1915 – 1928 stammenden Teils des Opel-Altwerkes in Rüsselsheim.

Die als Fertigungsgebäude errichteten Bauten F2 (Bj. 1915) und F12 (Bj. 1918) dienten der Fa. Opel zunächst als Werkstätten und vor dem aktuellen Umbau zum größeren Teil als Büroflächen. Das Werkstattgebäude F13 (Bj. 1928) wurde für die Motorenentwicklung erbaut und beheimatete in der Folge neben der Motorsportabteilung Opels bis 2009 zudem das zentrale Fotostudio des Konzerns.
Der Zustand der Gebäude im Inneren war gekennzeichnet durch zahlreiche Um- und Einbauten, die die Primärstruktur des ursprünglichen Industriebaus weitestgehend verdeckten. Der äußere Zustand wies deutliche Spuren der Abnutzung und des beginnenden Verfalls auf.
Die Revitalisierung der Gebäude durch den Einbau eines Gymnasiums, verbunden mit der Renovierung und Sanierung der Fassaden, ist nicht nur beispielhaft für den behutsamen baulichen Umgang mit einem denkmalgeschützten Industriebau, sondern steht vor allem auch exemplarisch für die offene, konstruktive und erfolgreiche Zusammenarbeit eines privaten Investors mit dem Kreis Groß-Gerau, namentlich, dem Landrat, der Schulbehörde und der Schulleitung, sowie dem Baudezernat der Stadt Rüsselsheim. So ist es gelungen, der Stadt Rüsselsheim und dem Umland mit Ihrer Vergangenheit ein Stück Zukunft zurückzugeben.
Baulich gesehen wurde die originäre Primärstruktur der Industriebauten vollständig freigelegt, wo erforderlich saniert, und als prägendes Gestaltelement in Kombination mit durch die neue Schulfunktion vorgegebenen modernen Elementen wieder verwendet.
Als neue Elemente sind hier u. a. ein schiffsförmiger Service-Einbau im Foyer zu nennen, der neben den Schüler-WC-Anlagen ein Büro für den Hausmeister, einen Kiosk für die Schüler und Lehrer und eine zweite Ebene, das Schiffsdeck, aufweist, das als Spiel- und Orchesterfläche dient. Zudem wurde ein neues Treppenhaus mit moderner Anmutung im Schnittbereich der Gebäude F13 und F2 ein-, bzw. angebaut, sowie ein in die Fassade eingeschobener Windfang aus Sichtbeton als neuer Hauptzugang zum Gebäude geschaffen. Durch die teilweise Wiederöffnung des für das Fotostudio geschlossenen ehemaligen Sheddachs ist das Foyer nun wieder hell und bietet Sichtbezüge zum neuen Treppenturm und zur sanierten Backsteinfassade des Gebäudes F2. So dient das ehemalige Fotostudio nun als Foyer, Aula und multifunktionaler Veranstaltungsraum.
Aus der angrenzenden ehemaligen Rennsportwerkstatt der Adam Opel AG wurde ein luftiges zwei-geschossiges Lehrerzimmer, dessen offene Mittelzone durch zwei große, erneuerte Sheddächer belichtet wird.
Die Bürotrakte und Werkstätten der Gebäude F12 und F2 wurden zu Schulklassen, naturwissenschaftlichen Unterrichtsräumen und zu einer Bibliothek umgebaut. Aus den dort befindlichen ehemaligen Gruben für Auto - Hebebühnen wurden zwei moderne Mediatheken mit aufsteigenden Sitzreihen für zwei Schulklassen.
Zusätzliche Akzente wurden gesetzt, indem im Giebel des F12-Gebäudes neue Fensteröffnungen zur Belichtung der Flure geschaffen wurden und auch hier die ursprüngliche Tragstruktur der Gebäude freigelegt und in die Rhythmisierung der Flure einbezogen wurde.
So ist es gelungen, eine helle, freundliche Schule zu gestalten, die den Charme des ursprünglichen Industriebaus mit den modernen Elementen einer zeitgemäßen Schule harmonisch und attraktiv verbindet.
Kollegium, Schüler, Besucher und Stadt freuen sich über dieses neue Gymnasium mit der gleichlautenden Namensgebung „Neues Gymnasium Rüsselsheim“ in einem auf diese Weise im Wortsinn „wieder belebten“ Teil der gewachsenen Industriekultur von Rüsselsheim.