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Rückblick: HochLEBEN


Am 09.07.2014 widmeten wir uns in unserer Vortragsreihe ArchitekturLEBEN . Rhein-Main im Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz dem Thema HochLEBEN - Über den Dächern der Stadt.

Wenn wir sie aus der Höhe betrachten, sehen wir bekannte Orte und Plätze der Städte, in denen wir leben und arbeiten, plötzlich mit anderen Augen. Die Enge der Straßenschluchten und die alltägliche Hektik der Städte werden durch Weitblick, Ruhe und Licht abgelöst.
Schon seit der Vorzeit war das Bauen in die Höhe ein fester Bestandteil der Architektur und hat bis heute eine eigene Sprache.




Nach der Begrüßung und den einleitenden Worten über die Geschichte des "Bauens in die Höhe" von Annette Müller, Geschäftsführerin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, stellte Dipl.-Ing. Architekt Martin Zimmer vom Atelier für Architektur aus Darmstadt seine Dachgeschoss Wohnung, eine Neuinterpretation eines Hausmannschen Daches in Paris, vor.
Durch die Liebe zur Musik ist Herr Zimmer nach Paris gekommen, hat sich sofort in die Stadt verliebt und wollte sich auch dort ein Wohnreich zum Leben schaffen. Er kaufte im Dachgeschoss eines denkmalgeschützten Eckhauses an einem der Pariser Boulevards aus dem 19. Jahrhunderts sieben Dienstmädchenzimmer, sogenannte „chambres de service“. Das Gebäude ist nach dem typischen Boulevard-Konzept von Hausmann erstellt. Im Erd- und Zwischengeschoss sind Läden untergebacht. Im 2. bis 5. Obergeschoss Wohnungen, mit durchgehenden Balkonen zur Straße hin. Im Dachgeschoss befand sich für jede Wohnung ein Dienstmädchenzimmer.
Nach jahrelangen französischen Behördengängen durfte er schließlich im Jahre 2012 mit dem Umbau der 7 Zimmer in edle Dachgeschosswohnungen beginnen.
Um die Wohnung auch im Alter noch nutzen zu können, baute er in Abstimmung mit den anderen Eigentümern als erstes einen Aufzug in das schmale Treppenhaus und ließ die Außenwände zum kleinen Innenhof mit einem Wärmeverbundsystem versehen.
Die sieben Zimmer waren winzig und ließen nur einen Blick in den Himmel zu. Nach einer vollständigen Entkernung entstand in diesem Raum eine knapp 70 m² große Dachwohnung in Passivhausbauweise. Große Fenster und eine Dachterrasse bieten einen ungewöhnlichen Blick auf den Boulevard und über die Dächer der Stadt Paris. In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde die Struktur des alten Zinkblechdaches aufgenommen und in die Pfosten-Riegel-Konstruktion zurückhaltend und neu interpretiert.
Herr Zimmer berichtete mit einem Augenzwinkern von dem Scharm der französischen Bauweise, daher griff er meist auf deutsche Handwerkskunst und Baumaterialien zurück, denn die Preise der pariser Handwerker hätten die Kosten für den Umbau ins Unermäßliche steigen lassen.



Danach führte uns Herr Dipl.-Ing. Architekt Holger Meyer von msm meyer schmitz-morkramer main gmbH aus Frankfurt & Köln zurück nach Deutschland in die nächste europäsche Metropole, Frankfurt am Main. Frankfurt ist die deutsche Stadt der Hochhäuser. Durch die Bankentürme trägt sie den liebevollen Spitznamen "Mainhatten".
Als Erstes stellte er uns den noch im Bau befindliche St. Martin Tower, ein Bürogebäude, an der Theodor-Heuss-Allee vor. Der Tower besteht aus zwei Gebäudeteilen, einem Flachbau und einem 60 m hohem Turm. Ein für Frankfurter Verhältnisse eher kleines Hochhaus. Das flügelförmige, 18-geschossige Hochhaus mit der über jeweils zwei Geschossen strukturierten Fassade vermittelt souveräne Dynamik, Eleganz und spiegelt damit den Frankfurter Businesscharakter wider. Das Gebäude verfügt über eine effiziente Raumnutzung. Mit der Verlagerung der Treppenhäuser, Aufzüge und des Brandschutzkerns ins Innere des Gebäudes, werden die attraktiven Flächen zu den Fensterseiten optimal ausgenutzt, der Ausblick als Qualitätssteigerung. Das Erdgeschoss wird mit Urbanität gefüllt, hier sind unter anderem eine Kindertagesstätte, Gastronomie, Konferenzräume und ein Fitnessstudio untergebracht.
Das zweite Gebäude, das Herr Meyer an diesem Abend vorstellte, ist der geplante Westside Tower, ein 66 m hohes Wohnhochhaus im Frankfurter Prestigeprojekt "Europaviertel", dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände hinter der Messe von Frankfurt. Der geplante Baukörper soll 21 Stockwerke mit 215 Mietwohnungen umfassen. Durch die gefaltete Fassadenstruktur wird eine optimierte Ausrichtung und Belichtung der Wohnungen erreicht. In den Ecken entstehen Wintergärten, die als Loggien genutzt werden können. Wie auch schon im St. Martins Tower ist im Kern des Gebäudes die gesamte Erschließung untergebracht. Alles an diesem Gebäude ist auf einen modernen und städtischen Lebensstil ausgelegt. Die Wohnungseinheiten orientieren sich architektonisch an urbanen Lebensentwürfen und bieten in unterschiedlichen Größen Singles, Paaren und Familien optimalen Wohnraum um Frankfurt und dem Europaviertel.



Später wurde bei Brezeln und Wein auf dem "Platz der Architekten" des Zentrums Baukultur Rheinland-Pfalz weiter über das Thema "Über den Dächern der Stadt" diskutiert.

Wir bedanken uns bei allen Besuchern für die vielen netten Gespräche und danken vor allem Herrn Zimmer und Herrn Meyer für die interessanten und spannenden Vorträge.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen beim nächsten
ArchitekturLEBEN . Rhein-Main.

Fotos: Kristina Schäfer - Mainz

Zukünftige Themenvorträge:

15.06.2016 - ArchitekturLEBEN . Rhein-Main: BetonLEBEN

Ort: Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz Mainz

Uhrzeit: von 19.00 bis 21:30 Uhr


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